Das Humordrama


Allgemeine Zielsetzung: Erwerb von grundlegenden Fertigkeiten der Lebensstilanalyse, die für ein humorspezifisches Einzel- und Gruppen-Coaching genutzt werden können.

Kursbeschreibung:

Das Humordrama ist ein kurzzeittherapeutisches Verfahren, das dem Prinzip der Reduktion konsequent folgt.

EIm Humordrama werden persönliche und zwischenmenschliche Konflikte in Rollenspielen so in Szene gesetzt, dass auch die mit dem Konflikt zusammenhängenden Gefühle wiedererlebt werden können. Dies eröffnet die Möglichkeit, konstruktive Lösungsstrategien für sich zu erarbeiten und zu erproben. Unter dieser Voraussetzung können individuelle Ressourcen aktiviert werden, die im Laufe der Sozialisation missachtet bzw. unterdrückt wurden. Diese primären Kompetenzen des „inneren Kindes“ sind mit einer expansiven Dynamik verknüpft, die im Leben eines normativ angepassten Erwachsenen nicht immer richtig zur Geltung kommt, weil sie durch Schuld- und Schamgefühle abgewehrt wird. Eben dieses affektive Potenzial soll im humordramatischen Prozess offengelegt und gezielt gefördert werden. In der Folge kann allmählich eine Haltung zustande kommen, die mit heiterer Gelassenheit verknüpft ist. Im humordramatischen Prozess werden diejenigen Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen fokussiert, die im Alltagsleben der Protagonisten als unfreiwillig komisch und damit als peinlich bzw. beschämend erlebt werden. Im Humordrama erfahren diese Elemente paradoxer Weise eine besondere Wertschätzung, weil sie als Grundlage für die neue Identität eines freiwilligen Komikers bilden.

Die formale Vorgehensweise entspricht der Technik der Thematisierung. Sie folgt der Grundannahme, dass unsere typischen Verhaltensmuster ihren Ursprung in der Kindheit haben.
Damals haben sie sich als nützliche Bewältigungsstrategien bewährt, auch wenn sie aus der Perspektive des rationalen Erwachsenen unangemessen bzw. „komisch“ erscheinen mögen.
Eben diese Verhaltensmuster werden im Zuge kontinuierlicher Wiederholung unbewusst bis in das Erwachsenenalter hinein benutzt – und auf diese Weise lebensgeschichtlich trainiert.
So können sie in den verschiedensten Lebenssituationen ihren unverkennbaren Ausdruck finden.

Es gibt drei wichtige Bestimmungsmerkmale primärer Themen:
1. Die kontinuierliche Wiederholung bestimmter Bewältigungsstrategien.
2. Die Beständigkeit: Primäre Themen sind wie der Pulsschlag, der an ganz unterschiedlichen Arterien in identischer Weise gemessen werden kann.
3. Primäre Themen durchziehen die Lebensgeschichte des Menschen. Sie lassen sich in der Kindheit ebenso nachweisen wie im Zusammenhang des aktuellen Lebens oder in der Unmittelbarkeit der humordramatischen Arbeit. Damit entsprechen sie einem Verweisungszusammenhang, der die Lebensgeschichte des Protagonisten durchzieht: Das Hier und Jetzt wird dabei mit vergangenen Phasen der Lebensgeschichte verbunden. Anders ausgedrückt: Auch in der der unmittelbaren Interaktion kommt das „innere Kind“ auf seine typische Weise zum Ausdruck! Diese primären Themen werden im humordramatischen Prozess aufgedeckt und szenisch ausagiert. Die Teilnehmer lernen dabei, mit Spaß und Spielfreude, eben das zu tun, was aus der Perspektive des rationalen Erwachsenen als „komisch“ erscheinen mag. Dies gelingt mit Hilfe des therapeutischen Clowns. Der Clown ist ein Doppelgänger („Alter Ego“) des „inneren Kindes“ und damit eine primäre Identifikationsfigur im humordramatischen Prozess. Ohne großen Aufwand stellt er/sie den sog. Ernst des Lebens auf den Kopf und „ver-rückt“ die Grenzlinien der rationalen Welt. Durch seine/ihre Kompetenz, das völlig Unerwartete zu tun, verblüfft er/sie die Mitmenschen und bringt sie gewollt so zum Lachen. Damit wird er/sie zum Inbegriff therapeutischen Humors. Im Unterhaltungshumor gibt es verschiedene Clownstypen. In der Arbeit mit therapeutischem Humor ist dagegen nur der Minimalclown eine Identifikationsfigur. Er/sie bedient sich in den Bereichen von Mimik, Gestik und Verbalisierung der clownesken Reduktion, die auf einer konsequenten Vereinfachung des kommunikativen Ausdrucks basiert. Voraussetzung dafür ist ein Loslassen von jenem Perfektions- und Überbietungsanspruch, der unseren Erwachsenenalltag in vieler Hinsicht beherrscht.

Modul 4: Einführungsseminar Es wird herausgearbeitet, was wir selbst an uns und den Interaktionspartnern im Humordrama als „komisch“ – und damit als unangemessen, peinlich oder beschämend erleben. Diese unfreiwillig komischen Gegebenheiten werden mit positiven Augen bewertet und mit szenischen Mitteln in einer übertriebenen Weise zur Ausdruck gebracht: Das Vorgehen entspricht dem Prinzip der paradoxen Intention Viktor Frankls, das auf eine grundsätzliche „Umstellung der Einstellung“ abzielt. Diese Zielsetzung wird mit Hilfe der clownesken Reduktion in Szene gesetzt, indem in spielorientierten Übungen folgende „komische Kompetenzen“ erarbeitet werden:
- Lust am Scheitern (Mut zur Lächerlichkeit)
- Kunst des Stolperns (paradoxe Akrobatik)
- normwidriges Sprechen (intentionale Sprechhemmung)
- tollpatschige Bewegungsabläufe („Pinocchio-Habitus“)
- konfuses Argumentieren (private Logik, „non sequitur“, Nonsens)
Im nächsten Schritt werden diese und weitere Reduktionstechniken für die erste humordramatische Bearbeitung von Biografie übergreifenden Zusammenhängen genutzt.

Modul 4/1: Die Technik der Thematisierung Die Teilnehmer/innen lernen, die qualitativen Aspekte (= Eigenschaften, Merkmale) von „inneren Bildern“ zu identifizieren. Das sind Erinnerungen, Traumelemente und ungeregelte Phantasien, die sich auf konkrete Objekte, Sachverhalte, Personen oder szenische Situationen beziehen. Sämtliche diesbezügliche Äußerungen des Protagonisten können dabei auf einen bestimmten thematischen Zusammenhang verweisen, der für diese Person typisch ist bzw. deren unverkennbaren Lebensstil prägt. Dies wird jeweils durch den spezifischen Inhalt eines lebensstiltypischen Lieds musikalisch zum Ausdruck gebracht, welches jeweils im Plenum formuliert und dann intoniert wird. Diese Technik wird mit Unterstützung der Anleiter im Plenum demonstriert und dann in intensiver Kleingruppenarbeit geübt.

Modul 4/2: Dynamische Darstellung eines individuellen Lebensstils Die primäre Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch alle Lebenssituationen des Menschen. Sie formt den individuellen Lebensstil, der sich wiederum aus impliziten thematischen Sinnzusammenhängen formt, die ein typisches Leitmotiv („zentrales Thema“) und eine eigene Dynamik beinhalten. Daraus leiten sich authentische Bewältigungsstrategien ab, die sich ihrerseits durch diese Bestimmungsmerkmale identifizieren lassen: aggressiv vs. regressiv und aktiv vs. passiv. Das entspricht vier lebensstiltypischen Grundformen: der aktiv-aggressive „Boss“;
der passiv-aggressive „Star“;
der aktiv-regressive „Eremit“;
der passiv-regressive „Star“.
Ziel dieses Moduls ist, dass jede/r Teilnehmer/in den eigenen individuellen Lebensstil erkennt und die entsprechenden typischen Bewältigungsstrategien produktiv zu nutzen lernt. Die entsprechenden Möglichkeiten werden in Interaktionsspielen konsequent umgesetzt.

Modul 4/3: Analyse von Träumen und Tagträumen Bei Träumen und Tagträumen handelt es sich um authentische Äußerungen des individuellen Lebensstils. In den verschiedenen Traumbildern findet die privatlogische Eigenart des eigenen Lebensstils ebenso ihren unverkennbaren Ausdruck wie seine strategische Bewegungslinie. Daher ist die Traumdeutung ein zentraler Bestandteil der Thematisierung. Im Gegensatz zur klassischen Psychoanalyse, die von feststehenden, allgemeingültigen (unter Umständen auch „archetypischen“) Traumsymbolen ausgeht, versuchen wir in diesem Modul einen gegebenen Trauminhalt ausschließlich aus der subjektiven bzw. lebensstiltypischen Perspektive des Protagonisten heraus zu verstehen und zu deuten. Dabei werden die Trauminhalte in Rollenspielen jeweils in Szene gesetzt, so dass sich für Protagonisten, Mitspieler und den Rest der Gruppe ein unmittelbarer Einblick in die Dynamik des entsprechenden Lebensstils ergibt. Die Voraussetzungen dieser Dynamik werden sodann im Sinne der paradoxen Intention gezielt herausgehoben und dadurch für eine humoristische Interpretation anschaulich genutzt. Die Zielsetzung dieses Moduls besteht insgesamt in einer Vertiefung der bereits erworbenen Kenntnisse in der Anwendung der Thematisierungstechnik.

Modul 4/4: - Selbsterfahrung - Selbstanleitung. In diesem Modul leiten die Teilnehmerinnen (mit Unterstützung der Seminarleiter) den Humordramatischen Prozess eigenständig an. Auch Spiele die der heiteren Atmosphärische Auflockerung dienen werden von jedem Teilnehmer angeleitet. Somit entsteht immer wieder eine gemeinschaftliche abwechslungsreiche und positive Stimmung.